Bill Gates stellt sich mit einem Glas voll brauner Masse auf eine Bühne: «Das sind menschliche Fäkalien», lässt er das chinesische Publikum wissen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Multimilliardär öffentlich über Kot spricht.
Die Netflix-Doku-Serie «Der Mensch Bill Gates» widmet sich in der ersten Folge dem Kampf des Microsoft-Gründers gegen die Kindersterblichkeit. Seine Ausgangslage: Zwölf Prozent aller Kinder würden sterben, bevor sie fünf Jahre alt sind. Drei Millionen davon an Durchfall. Weltweit haben rund drei Milliarden Menschen keinen Anschluss an eine Kanalisation.
Elektrizität und Wasser aus Kläranlage
Gates machte es sich zur Aufgabe, das Sterben zu stoppen. Gemeinsam mit Ingenieuren entwickelte er eine Anlage, die Abwasser in Strom, Asche und Wasser umwandelt. Dazu wird das Abwasser in einem industriellen Verfahren verdampft. Die Anlage funktioniert ohne Strom- und Wasserzufuhr: Sie wird mit dem Dampf betrieben, der bei der Verbrennung der entwässerten Fäkalien entsteht.
Das Wasser, das beim Verdampfen entstehe, sei sauber und trinkbar, sagen die Entwickler in der Netflix-Serie. Am Ende der Folge schenkt sich Bill Gates ein Glas ein, trinkt und sagt: «Schmeckt wie Wasser.» Inzwischen soll die Anlage ein Drittel des Klärschlamms der Millionenstadt Dakar im Senegal in Energie und Trinkwasser umwandeln.
Auch Schweiz forscht an Abwasser-Nutzung
Nicht nur Bill Gates glaubt an die Kraft des Abwassers: Auch in der Schweiz wird daran geforscht, wie Abwasser wiederverwendet werden kann. «Abwasser ist kein Abfall, sondern eine wertvolle Ressource», schreibt die Eawag, das Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs. Seit bald 30 Jahren erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie Abwasser Teil einer Kreislaufwirtschaft werden kann. Das heisst, einer Wirtschaft, die zum Ziel hat, den Verbrauch von Ressourcen auf ein Minimum zu reduzieren und die Materialien so lange und so effizient wie möglich in einem geschlossenen Kreislauf zu nutzen.
Eine Forschungsgruppe der Eawag hat zum Beispiel in den afrikanischen Ländern Uganda und Senegal untersucht, wie aus Fäkalien feste Brennstoffe hergestellt werden können. Die durch Entwässerung gewonnenen Brennstoffe können vor allem von der Industrie genutzt werden: Dort ist der Bedarf hoch und die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern gering.
