Wie seid ihr auf die Idee mit den Pilzen gekommen?
Moritz Schiller: Wir – Moritz, Mosas und Jonas – kennen uns schon seit dem Kindesalter und haben immer schon viel zusammen experimentiert. Auf die Pilze gekommen sind wir durch die Maturarbeit von Jonas. Er wollte einen 3D-Drucker entwickeln, der lebendiges Pilzgeflecht drucken konnte – und wir haben ihn dabei unterstützt. So haben wir monatelang in unserem Weinkeller gepröbelt, bis wir funktionsfähige Materialien aus nachwachsenden Pilzen züchten konnten. Uns wurde dann nahegelegt, unsere Forschungsergebnisse an Universitäten und Hochschulen vorzustellen. Mit der daraus resultierenden Unterstützung kam die ganze Geschichte ins Rollen.
Was können Pilze leisten?
Eine Menge! Für mich sind sie ein Phänomen – mal abgesehen davon, dass sie unersetzlich für funktionierende Ökosysteme sind, werden sie u.a. auch als Medikamente eingesetzt, z.B. als Antibiotikum.
Wie setzt ihr sie genau ein?
Wir nutzen das Myzel, das Wurzelgeflecht der Pilze. Wenn man in der Lage ist, die natürlichen Wachstumsbedingungen zu simulieren, kann das Myzel in Verbindung mit Biomüll die verschiedensten Materialeigenschaften annehmen. So ist es uns möglich, durch Anpassungen von Parametern wie CO2-Sättigung, Feuchtigkeit, Hitze oder Licht verschiedene Werkstoffe zu züchten, die heute verwendete Plastikanwendungen nahtlos ersetzen können. So entwickeln wir mit unseren Partnern Pharmaverpackungen, Gebäudedämmungen oder Designobjekte.
Zersetzen sich eure Verpackungen schlussendlich wieder in Erde?
Richtig. Alle unsere Produkte zersetzen sich in freier Natur innert weniger Wochen. Dafür benötigt werden Bakterien und Wasser. Mit dieser zentralen Eigenschaft wollen wir Veränderung in die Verschleissplastik-Industrie bringen. Denn: Plastikprodukte wie z.B. Styropor landen zu ca. 98 Prozent in der Natur, wo sie verheerende Schäden anrichten. Dies, da in den südost-asiatischen Endländern oft die Recycling-Infrastruktur fehlt.
Ihr seid nicht die Ersten, die mit Pilzverpackungen experimentieren. Was macht Mycrobez besser als die anderen?
Das Myzelkomposit als solches existiert schon seit Dutzenden von Jahren. Bis heute ist es in der Herstellung jedoch noch um den Faktor 20 teurer als herkömmliche Plastikanwendungen und es können nur Bruchteile der benötigten Mengen hergestellt werden. Dies ist hauptsächlich auf manuell durchdrungene Prozesse zurückzuführen. Dieses Problem wollen wir mit unserem Unternehmen lösen, indem wir den Herstellungsprozess neu denken. Wir wollen erstmalig einen kreislaufwirtschaftlichen Schaumstoff auf den Massenmarkt bringen, der in Preis und Menge mit Standardanwendungen wie Styropor mithalten kann.
