Nachhaltig, enkeltauglich, umweltfreundlich, grün. Alles Begriffe, mit denen Unternehmen sich und ihre Angebote gerne schmücken. Nur ist «nachhaltig» als Begriff weder geschützt noch hat er eine klare Definition. Was ist gemeint, wenn ein Produkt als nachhaltig bezeichnet wird? Die Produktionsbedingungen? Das Rohmaterial? Der Versand? Im besten Fall wird das transparent deklariert, im schlechteren nicht. Als Konsumentin oder Konsument bleibt oft nichts anderes übrig, als sich auf das Wort der Unternehmen zu verlassen.
Und nun, da Begriffe wie «nachhaltig» vom Banking-Sektor bis zur Modeindustrie dermassen inflationär verwendet werden, dass sie kaum noch Aufmerksamkeit erzeugen, fällt ein neues Wort dafür umso mehr auf: regenerativ.
Nur, was bedeutet regenerativ? Handelt es sich hier auch nur um eine Worthülse, wenn etwa internationale Modeunternehmen oder die Schweizer Landwirtschaft damit werben?
Was bedeutet regenerativ?
Regenerativ ist kein geschützter Begriff und kann verschieden ausgelegt werden. Aber im Grundsatz heisst es, so zu produzieren, dass die Umwelt nicht nur keinen Schaden nimmt, sondern sogar davon profitiert. Böden und Ökosysteme sollen regeneriert, die Biodiversität gefördert und das natürliche Gleichgewicht wiederhergestellt werden.
Warum ist es wichtig, regenerativ zu produzieren?
Gesunde Böden und Biodiversität sind Schlüsselfaktoren für gesunde Ökosysteme. Und die braucht es, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Regenerative Praktiken zielen also nicht nur darauf ab, so wenig Schaden wie möglich anzurichten, sondern eben jene Ökosysteme wiederherzustellen und zu fördern.
In welchen Bereichen kann etwas regenerativ sein?
- Landwirtschaft: Der Begriff wird hauptsächlich mit der Landwirtschaft in Verbindung gebracht. Herkömmliche Landwirtschaft setzt oft auf Monokulturen und einen hohen Einsatz von Chemikalien und Düngemitteln. Die regenerative Landwirtschaft ist eine Form von Bio-Landwirtschaft, die sich vor allem der Bodengesundheit und der Biodiversität verschreibt.
- Nahrungsmittel: Weil Nahrungsmittel mehrheitlich aus der Landwirtschaft stammen, begegnet man dem Begriff auch in diesem Zusammenhang. Das Thema wird immer populärer: Die ZHAW etwa bietet einen Master in «Preneurship for Regenerative Food Systems» an.
- Bausektor: Auch Baumaterialien können regenerativ sein – oder eben nicht. An der ETH kann man einen CAS in «Regenerative Materials» absolvieren, in dem die Teilnehmenden lernen, zur «notwendigen ökologischen und sozialen Transformation im Baugewerbe beizutragen».
- Modeindustrie: Die Mode- und Textilindustrie ist stark von der Landwirtschaft abhängig – vom Baumwollanbau bis zu Nutztieren. «Baumwolle ist die weltweit am meisten verwendete Faser und nutzt 2,5 Prozent des weltweiten landwirtschaftlichen Landes, während sie gleichzeitig enorme Mengen an Pestiziden und Herbiziden verbraucht», schreibt «Fashion Revolution».
- Energie: Erneuerbare Energien werden auch regenerative Energien genannt. Gemeint sind Energiequellen, die sich natürlich erneuern oder unerschöpflich sind, wie Sonnen- oder Windenergie.
