Grosses Potential
Für die Herstellung von 100 Liter Bier, also rund zehn Bierkisten, werden etwa 20 Kilogramm Malz benötigt. Dieses Malz wird bei der Produktion zu Biertreber, einem Abfallprodukt, von dem in der Schweiz jährlich rund 80'000 Tonnen anfallen. Biertreber wird derzeit grösstenteils zu Viehfutter verarbeitet.
Mit den neuen Erkenntnissen könnte sich einerseits für die über 1'200 Schweizer Brauereien ein neues Geschäftsfeld eröffnen – andererseits könnte das kostengünstige Produkt Plastikverpackungen ersetzen. In der Schweiz werden laut Oceancare jährlich eine Million Tonnen Plastik verbraucht. Das sind 127 Kilogramm pro Person und ist der höchste Pro-Kopf-Kunststoffverbrauch in Europa.
Empa forscht weiter
«Wir möchten mithilfe innovativer Technologien Material- und Stoffkreisläufe schliessen helfen», sagt Tanja Zimmermann, Direktorin der Empa. «Wir wollen also weg von der Wegwerfgesellschaft und den Weg zu einer Kreislaufwirtschaft vordenken und erforschen. Denn unsere Rohstoffe sind endlich – und viel zu wertvoll, um sie nicht wiederzuverwerten.»
Trotz dieses ersten Erfolgs: Die Forscherinnen und Forscher, die sich mit der Herstellung von Verpackungsmaterial aus Biertreber beschäftigen, bleiben am Thema dran. Sie untersuchen das Potenzial weiterer Abfallprodukte aus der Lebensmittelindustrie und der Forstwirtschaft.
Die Industrie wartet ab
Sind Verpackungen aus Biertreber bald bei Grosshändlern wie Migros und Coop zu finden? Jan Kirchhofer, Mediensprecher des grössten Schweizer Fleischproduzenten Bell, sagt auf Anfrage: «Wir haben es uns in der Bell Food Group zum Ziel gesetzt, unseren Plastikverbrauch zu reduzieren und unsere Verpackungen recyclingfähig zu gestalten.» Viele nachhaltige Produkte seien in der Entwicklung aber noch nicht weit genug. «Wir stehen aber mit unseren Lieferanten im regelmässigen Austausch, um Neuentwicklungen auf die technologische Einsatzfähigkeit hin zu bewerten.»
Die Empa-Direktorin Zimmermann sagt: «Wir sehen uns in einer Art Brückenfunktion zwischen Forschung und praktischer Anwendung.» Bis zur Marktreife dauert es noch eine Weile. Aber die Forschungsergebnisse sind ein erster Schritt.