Wer an frische Shrimps denkt, hat nicht gleich Winterthur im Kopf. Aber genau dort züchten Andreas Zaugg und Alexander Dubsky diese Meeresfrüchte. Die beiden Gründer von Lucky Shrimp wollen nicht nur nachhaltig gezüchtete Shrimps auf Schweizer Teller bringen, sondern auch zeigen, dass faire Lebensmittelproduktion selbst dort möglich ist, wo man sie am wenigsten erwartet.
Jährlich 8000 Tonnen importierte Shrimps
Der weltweite Shrimp-Konsum steigt laut den Gründern seit Jahren an, auch in der Schweiz. Über 8000 Tonnen werden jährlich in die Schweiz importiert, fast ausschliesslich tiefgekühlt und aus Übersee. Diese Zahlen waren für Zaugg und Dubsky der Auslöser, eine Alternative zu schaffen: frische Shrimps ohne Flugkilometer, ohne Antibiotika und mit möglichst geringer Umweltbelastung. Mitten im urbanen Winterthur haben sie ein System aufgebaut, das auf Kreislaufwirtschaft basiert und das ohne Frischwasserverbrauch auskommt.
Das Herzstück ihrer Produktion ist die sogenannte Biofloc-Technologie, bei der Mikroorganismen das Wasser reinigen und gleichzeitig Futter für die Shrimps erzeugen. Das spart nicht nur Wasser, sondern macht den Einsatz von Chemie oder Antibiotika überflüssig. «Wir schaffen ein Ökosystem, das sich selbst reguliert – ganz im Sinne der Natur, wie man es auch in gesunden Küstenhabitaten findet», so die Gründer.
Lokal vor global
Verantwortungsbewusstsein endet für die Gründer aber nicht im Wasserbecken. Auch beim Futter gehen sie neue Wege. Fischmehl aus Wildfang? Für Lucky Shrimp ein No-go. «Wir entwickeln unser eigenes Shrimp-Futter», so Zaugg. Bis sie jedoch die Zulassungen ihrer eigenen Futtermittel haben, setzen sie auf pflanzliche Rohstoffe: «Auch hier gilt: Lokal vor global – wann immer möglich, beziehen wir die Rohstoffe aus der Region.»
Shrimps sollen beim Töten unnötig leiden
Trotz all der Nachhaltigkeitsversprechen gibt es auch kritische Stimmen. Die Organisation Fair Fish etwa wirft der Winterthurer-Shrimp-Zucht vor, dass die Krebstiere beim Töten unnötig leiden würden. «Wir nehmen das Thema sehr ernst und arbeiten eng mit der Forschung zusammen», so die Jungunternehmer. Der Kälteschock sei derzeit die international anerkannte Methode. Doch sie wollen es genauer wissen: Eine Wissenschaftlerin startet demnächst ein Forschungsprojekt in Winterthur, um tierfreundlichere Alternativen zu untersuchen.
Nachhaltigkeit darf kein Luxus bleiben
Die in der Schweiz gezüchteten Lucky Shrimps sind heute rund fünfmal teurer als die Importware. Trotz des hohen Preises seien die Shrimps beliebt: «Vor allem in der Gastronomie sehen wir eine wachsende Nachfrage nach Produkten mit Geschichte und Haltung.» Viele Spitzenköche, die mit regionalen Produkten arbeiten, setzen auf die Winterthurer Shrimps. Mittelfristig sei es jedoch das Ziel der Gründer, preislich mit hochwertigen Importshrimps mithalten zu können. «Gesellschaftlich braucht es mehr Bewusstsein für die echten Kosten unserer Lebensmittel. Nachhaltigkeit darf kein Luxus sein, sondern muss zum Standard werden.»
