Mehr als 200'000 Elektroautos rollen derzeit auf Schweizer Strassen – und es werden immer mehr. Der Umstieg auf Elektromobilität ist unverzichtbar, um den Klimawandel in Schach zu halten. Dennoch werden auch Elektroautos kritisiert.
Einer der grössten Kritikpunkte sind die Batterien, die unter anderem aus Lithium und Kobalt bestehen. Der Abbau von Lithium in Südamerika und von Kobalt im Kongo schadet Mensch und Umwelt: Luftverschmutzung, enormer Wasserverbrauch, Kinderarbeit.
Ein Ansatz, um diese Probleme zu lösen, besteht im Recycling der Batterien. Doch wie funktioniert dieses? Und wie viel der Batterien kann überhaupt recycelt werden? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Ist das Recycling wirklich nachhaltiger?
Ja. Der CO₂-Fussabdruck von recycelten Batterien war bereits vor zehn Jahren bis zu 40 Prozent geringer als der von neuen Batterien. Heute dürfte er noch tiefer sein. Laut der amerikanischen Universität Stanford verursacht die Herstellung von recycelten Batterien nur halb so viel CO₂ wie die Herstellung einer neuen Batterie.
Bei einigen Recyclingverfahren werden Chemikalien eingesetzt, deren Entsorgung gut geregelt sein muss. Inzwischen gibt es aber immer mehr Verfahren, die ohne Chemikalien auskommen.
Wo werden die Batterien recycelt?
Derzeit haben die meisten Batterien in Elektrofahrzeugen das Ende ihres Lebenszyklus noch nicht erreicht. Entsprechend wenige Batterien werden recycelt. Erste Unternehmen in der Schweiz bereiten sich jedoch bereits auf den Ansturm der nächsten Jahre vor.
2024 hat Librec in Biberist im Kanton Solothurn die grösste Recyclinganlage für Elektroautos in Betrieb genommen. Die Anlage soll jährlich über 10'000 Tonnen Batterien recyceln können. Mindestens 90 Prozent aller Batteriematerialien sollen zurückgewonnen werden. Bereits seit 2023 betreibt die Firma Batrec in Wimmis bei Bern eine Recyclinganlage für Elektroautos.
Auch die Zürcher Firma Kyburz widmet sich dem Recycling von Batterien aus Elektrofahrzeugen: 91 Prozent der Bestandteile von Lithium-Ionen-Batterien sollen sich ohne Einsatz von Chemikalien wiederverwerten lassen. Kyburz hat das Verfahren bewusst nicht patentieren lassen, um das Know-how möglichst vielen zur Verfügung zu stellen.
Forschende der schwedischen Universität Calmers haben eine Methode entwickelt, mit der sogar 100 Prozent des Aluminiums und 98 Prozent des Lithiums recycelt werden können. Die Forschenden verwenden dazu eine organische Säure, die in Pflanzen wie Rhabarber und Spinat vorkommt. Teure und schädliche Chemikalien sind nicht nötig.
Was geschieht mit den recycelten Materialien?
Am Beispiel der grössten Schweizer Recyclinganlage von Librec erklärt: In der Anlage werden die Batterien entladen, demontiert und anschliessend mechanisch zerkleinert und geschreddert. Kupfer, Aluminium und Eisen werden abgetrennt – übrig bleibt die sogenannte «Black Mass», die Kobalt, Lithium und Nickel enthält.
Vor allem die Weiterverarbeitung dieser «Black Mass» stellt für die Schweiz und das übrige Europa noch eine Herausforderung dar: «Momentan verkaufen wir unsere Black Mass nach Südkorea, da es momentan keine Kapazitäten im europäischen Markt gibt», erklärt Beat Seiler von Librec. «Sobald sich dies in Europa ändert, werden wir auch raschmöglichst eine Lösung in Europa anstreben.»
Lohnt sich das Recycling wirtschaftlich?
Über dem Recycling der Batterien schwebt ein grosses Fragezeichen: Lohnt es sich für die Hersteller von Elektroautos überhaupt, auf recycelte Batterien zu setzen?
Derzeit sind die Rohstoffe aus den Minen noch billiger als das Recyclingmaterial. Doch das dürfte sich bald ändern. Rohstoffe wie Kobalt und Lithium sind begrenzt und ihre Preise dürften bald steigen – während die Recyclingpreise sinken, je mehr Batterien recycelt werden.
Hinzu kommt der Faktor Politik. So hat die Europäische Union kürzlich neue Vorschriften erlassen, wie viel von den Batterien in Elektroautos recycelt werden muss: Bis 2031 müssen 80 Prozent des Lithiums und 95 Prozent des Kupfers, Kobalts und Nickels wiederverwertet werden.
