Rund 100 Milliarden Kleidungsstücke werden jedes Jahr produziert und oft schon nach kurzem Gebrauch wieder entsorgt. Der globale Textilabfall wächst rasant. In Ländern wie Ghana oder Senegal türmen sich Altkleider zu Müllbergen, bedecken ganze Strände oder sind im Boden vergraben. Was für viele sichtbar ist, ist nur ein Teil des Problems: Noch gefährlicher sind die unsichtbaren Rückstände – winzige Mikroplastikpartikel.
Ein Schweizer Unternehmen, das diesen Kreislauf durchbrechen will, ist Ocean Safe. Für Gründer Manuel Schweizer liegt der Ursprung des Problems in der Qualität: «Was zu Abfall wird, war meist von Anfang an schlecht gemacht.» Seine Vision: Kleidung herstellen, die sich auflöst – ganz ohne Schaden für Natur oder Mensch. Der Unternehmer will Materialien schaffen, die rückstandslos biologisch abbaubar sind und gleichzeitig vollständig recycelt werden können.
«Wir wollen nicht, dass Kleidung achtlos in der Natur landet»
Bei Ocean Safe beginnt die Entwicklung eines Produkts mit der Frage: Was passiert damit am Ende des Lebenszyklus? Im Idealfall wird es zurückgenommen, in seine Bestandteile zerlegt und zu neuem Material verarbeitet. Ein geschlossener Kreislauf ist das Ziel. Sollten Kleidungsstücke in die Umwelt gelangen, sollen sie biologisch abgebaut werden, ohne Spuren zu hinterlassen.
«Wir wollen nicht, dass Kleidung achtlos in der Natur landet», sagt Schweizer. «Aber wenn sie dort landet, etwa in Form von Mikrofasern, die beim Waschen freigesetzt werden, muss sie sicher sein für Boden und Meer.»
Biologisch abbaubare Kleidung
Gemeinsam mit Nikin hat das Schweizer Start-up biologisch abbaubare Kleidung entwickelt – gefertigt aus dem firmeneigenen Material Nanea. «Es ist langlebiger als herkömmliche Textilien, atmungsaktiv und braucht keine chemischen Zusätze», erklärt Schweizer. Liegt ein Nanea-Kleidungsstück im Schrank oder wird ganz normal getragen, passiert nichts. Erst durch Mikroorganismen beginnt der Abbau. «Ganz ohne Rückstände», wie der 58-Jährige versichert.
Grosse Marken überzeugen
Nach fünf Jahren Entwicklung ist das Start-up nun bereit, grösser zu denken – und steht vor einem ambitionierten Ziel: das Material bei internationalen Modemarken zu etablieren. «Wir sind mit globalen Playern im Gespräch», sagt der CEO. Kommen sie an Bord, könnten auch kleinere Labels folgen und das Material würde für alle billiger. Nur so lässt sich der Wandel weg von konventionellen Textilien wirklich beschleunigen.
Noch aber ist nachhaltige Kleidung vor allem ein Thema für eine kleine Zielgruppe. «Viele Menschen möchten nachhaltiger konsumieren», so Schweizer, «erkennen aber oft nicht, welche Produkte wirklich umweltfreundlich sind.»
