In der Schweiz verschwinden Bienen, Schmetterlinge und Feldvögel. Böden werden hart, Gewässer mit Nitrat belasten die Umwelt. Die Bilanz ist ernüchternd. Das Zürcher Projekt Hoflabor will jedoch zeigen, dass es auch anders geht: Ohne Chemie und mit gesunden Böden.
«Wir wollen zeigen, dass Produktion und Umweltschutz kein Widerspruch sein müssen»
Statt grosse Felder zu spritzen, wird in Streifen gearbeitet. Zwischen Gemüse und Getreide wachsen Blumenstreifen, die kleinen Tierchen Nahrung bieten. Auch haben sie zum Beispiel Fenchelblüten oder Koriander im Anbau. Eine Schicht aus Gras oder Laub schützt den Boden vor dem Austrocknen und füttert so auch die Regenwürmer. «Wir wollen zeigen, dass Produktion und Umweltschutz kein Widerspruch sein müssen», sagt Petrissa Eckle, Mitgründerin des Hoflabors. «Unser Ziel ist, dass Bäuerinnen und Bauern mit weniger Dünger und Pestiziden auskommen und trotzdem genug ernten.»
Maschinen, die Böden schonen
Ein zentrales Problem sind laut Eckle schwere Traktoren, die den Boden verdichten. Im Hoflabor fahren die Maschinen deshalb immer auf denselben Spuren. So bleibt der Rest locker, das Wasser kann besser versickern und Pflanzen wurzeln tiefer.
Zudem baut das Team um Landwirt und Mitgründer Matthias Hollenstein auch alte Geräte um. Aus einem normalen Ladewagen wurde zum Beispiel ein Mulchverteiler, der günstig, effektiv und bodenschonend ist. Günstiger als normaler Acker und Gemüsebau wird es jedoch wahrscheinlich nicht. «Das Wichtigste am Ladewagen ist, dass er den Schritt macht, und zwar so gut, dass keine Nacharbeit von Hand mehr nötig ist – und so gut, dass die Pflanzmaschine nachher zuverlässig funktioniert», sagt Petrissa Eckle. Denn dort kann man laut ihr sonst sehr viel Zeit verlieren und hohe Kosten erzeugen.
Ein Hof als Zukunftslabor
Damit ihre Vision auch an die Menschen kommt, baut das Hoflabor am Adlisberg in Zürich seinen neuen Demonstrationshof auf. Hier sollen Besucherinnen, Bauern und Forschende erleben können, wie das System funktioniert. Kartoffeln, Getreide und Gemüse wachsen nebeneinander, alles ohne Spritzmittel. Das Projekt wurde bereits auch mit dem Prix Climat ausgezeichnet.
Warum das uns alle angeht
Denn die Art, wie wir Lebensmittel produzieren, betrifft nicht nur die Bauern. Wenn Böden fruchtbar bleiben, Wasser sauber und Insekten zurückkehren, profitieren wir alle. Projekte wie das Hoflabor zeigen, dass nachhaltige Landwirtschaft nicht Verzicht bedeutet, sondern Zukunft. Damit Gemüse und Getreide auch in 30 Jahren noch auf gesunden Schweizer Böden wachsen können und das, ohne die Natur dafür zu zerstören.
