Der Traum vom Eigenheim ist weitverbreitet – und bleibt doch meistens unerfüllt. In der Realität weist die Entwicklung klar in eine andere Richtung: verdichtetes Bauen und eine effiziente Nutzung des vorhandenen Siedlungsraums. Eine mögliche Lösung sind Kleinwohnformen wie Minihäuser, Zirkuswagen, Jurten oder eben Tiny Houses. Mit 15 bis 45 Quadratmetern bieten sie zwar deutlich weniger Fläche, als der Schweizer Durchschnitt pro Person bewohnt, nutzen den vorhandenen Raum dafür umso durchdachter.
Reduktion, Freiheit, Ökologie
Was fasziniert an Tiny Houses? Tobias Hostettler, Co-Präsident der Geschäftsstelle des Vereins Kleinwohnformen erklärt, dass die Faszination grundsätzlich im Wunsch nach Reduktion, Freiheit und einem ökologischen Lebensstil gründet. «Viele Menschen suchen eine Alternative zum klassischen Wohnungsbau und schätzen die Flexibilität sowie die Nähe zur Natur.»
Auch das Geld spielt eine Rolle, da die Umsetzung aber zurzeit finanziell komplex ist, fällt der Traum oft teurer aus als erhofft. Der Verein Kleinwohnformen wurde 2018 gegründet und zählt derzeit rund 1400 Mitglieder. Der Mitgliederanstieg seit der Gründung unterstreicht das enorm gestiegene Interesse an Tiny Houses.
«Die Zahl der tatsächlich bewilligten und bewohnten Tiny Houses beträgt etwa 400 bis 600 Einheiten», schätzt Hostettler anhand seiner 5-jährigen Vernetzung und Begleitung von Projekten im Verein. Der Trend ist steigend: Monatlich kommen etwa zwei bis drei neue Projekte oder Standorte dazu.
Vernetzung ist das A und O
Auch auf der Anbieterseite wurde das Interesse erkannt. «Jährlich positionieren sich weitere Hersteller, Holzbauerinnen und Architekten auf dem Markt, die das Potenzial dieser Kleinwohnformen erkennen», weiss Hostettler.
Wer sich für ein Tiny House interessiert, sollte gut vernetzt sein – oder sich vernetzen. Hostettler empfiehlt eine Mitgliedschaft im Verein, um sich Zugang zu Fachwissen und Stellplatzangeboten zu verschaffen. «Da in der Schweiz ein offizielles Baugesuch zwingend erforderlich ist, sollte man zuerst ein klares Projektkonzept erstellen», rät der Experte. Dieses könnte so aussehen:
- Bedarfsanalyse: Was brauche ich wirklich in meinem kleinen Zuhause?
- Typenwahl: Welche Kleinwohnform passt zu mir?
- Standortprüfung: Potenzielle Standorte sollten erst mit einer konkreten Idee geprüft werden.
- Bauprojekt: Erarbeitung des konkreten Gesuchs zusammen mit einer Fachperson.
Nachhaltigkeit im Tiny House
Wie nachhaltig ein Tiny House ist, hängt stark von der Umsetzung ab. Ein konkretes Beispiel zeigt, dass ein Ehepaar dank einer hochgedämmten Gebäudehülle inkl. Dreifachverglasung in den Wintermonaten 2022/23 monatlich weniger als 300 kWh Heizenergie verbrauchte.
Auch regionale Materialien und eine extensive Dachbegrünung mit einheimischen Pflanzen zeigen, dass Kleinwohnformen ökologisch weit mehr sein können als ein architektonischer Trend. Angesichts stetig steigender Immobilienpreise sind sie eine spannende Möglichkeit, sich den Traum des Eigenheims zu erfüllen – und gleichzeitig nachhaltiger zu leben.
