Patrik Deuss, alle, die schon mal in einem Büro gearbeitet haben, kennen es: Das Licht brennt, obwohl niemand da ist.
In einem Geschäftsgebäude werden etwa 30 Prozent des Stroms fürs Licht gebraucht. Und es stimmt: Meistens wird es verschwendet. Hinzu kommt: Die Beleuchtungssysteme haben sich in den letzten dreissig, vierzig Jahren nicht wirklich weiterentwickelt.
Warum?
Die Immobilien- und Energiebranche ist eine eher konservative Branche. Es kamen mal Neonröhren, mal Glühbirnen auf den Markt. Die Bewegungsmelder, die eingesetzt werden, werden irgendwo in einem Schaltschrank manuell mit Kabel gesteuert. Zudem läuft in dem Business viel über Plan: Du hast einen Architekten, der das Gebäude so planen will, wie er frühere Gebäude geplant hat. Der Druck kommt nun eher von der Energieseite, diese wiederum ist für den Gebäudebauer nicht sehr relevant, weil die Kosten später der Mieter trägt.
Es scheint sich allerdings doch etwas zu ändern.
Nun werden die Gebäude nach Energieeffizienz klassifiziert – dazu musste erst der politische Druck kommen. Jetzt geht es vorwärts. Aber die Lichtbranche ist noch immer eine klassische Industrie, die nicht jeden Tag ein neues Start-up hervorbringt.
Sie aber haben ein Start-up in diesem Bereich gegründet. Wie kam es dazu?
Ich bin recht analytisch vorgegangen. Ich fragte mich: Was sind die Probleme, vor denen wir als Gesellschaft stehen in puncto Klimawandel? Tesla ist eine Lösung für Elektromobilität. Planted für Nahrungsmittel. Was aber ist mit der Beleuchtung? Ich erkannte ein riesiges, unausgeschöpftes Potenzial, denn die Beleuchtung ist noch immer für einen Grossteil des Stromverbrauchs verantwortlich.
Das Beleuchtungssystem von LEDCity ist mit einer Sensorik ausgestattet, die genau misst, welches Licht gerade tatsächlich gebraucht wird. Was messen die Sensoren?
Die Sensoren messen über Radar Anwesenheiten von Personen, Helligkeit, Bewegung, Temperatur, Feuchtigkeit und einige weitere Optimierungsmöglichkeiten. Schlussendlich geht es darum, das natürliche Licht zu kompensieren. Das macht jede Leuchte einzeln, aber auch in Kommunikation mit allen Leuchten im System.
Von hier aus gesehen klingt es ziemlich unglaublich, dass noch niemand auf diese Idee gekommen ist, Beleuchtung effizienter einzusetzen.
Es gibt Unternehmen, aber die gehen es etwas anders an. Unsere Technologie ist schon einzigartig, da die Steuerung in jedem Leuchtmittel integriert ist. Und natürlich könnte man auch selbst Sensoren und LED-Leuchten kaufen, mehr Bewegungsmelder einsetzen und so das Licht steuern. Aber das wäre teurer und komplexer, da steckt nicht die ausgeklügelte Technologie dahinter und vieles müsste von Hand programmiert werden.
Warum eigentlich der Fokus auf Geschäftsgebäude? Gäbe es nicht auch ein grosses Potenzial im privaten Bereich?
Es ist immer eine Fokussache. Wir merkten, dass das B2B-Geschäft am skalierbarsten ist. Wir wollen schliesslich einen Impact erzielen. Mit Privathaushalten kämen wir nicht so weit. Die Anforderungen sind ganz anders: Geschäftskunden wollen automatisieren und tiefe Kosten haben. Auch in der Aussenbeleuchtung wären die Anforderungen wieder anders.
LEDCity existiert seit 2017. Vor welchen Herausforderungen stehen Sie heute?
Eine Herausforderung ist sicher der Markt, der recht träge ist. Es braucht Überzeugungsarbeit. Der Gewinn des «Green Business Awards» ist hier eine grosse Hilfe. Denn nachhaltiger Wandel braucht Sensibilisierung und Aufklärung. Wenn wir dadurch mehr Immobilieneigentümer und -eigentümerinnen erreichen, dann ist das super.
Apropos: Herzlichen Glückwünsch zum Gewinn! Wie erklären Sie sich diesen?
Einerseits haben wir ein super Team, das hart arbeitet. Andererseits verbinden wir Ökologie und Ökonomie gut. Man spart nicht nur Energie, sondern eben auch Geld.
