Viele Städte sind heute stark versiegelt: Asphalt, Beton und Pflastersteine prägen das Bild. Im Sommer wird es dadurch sehr heiss, denn diese Flächen speichern Wärme wie ein Ofen. Es entstehen sogenannte Hitzeinseln. Bei starkem Niederschlag kann das Wasser kaum versickern und fliesst schnell in die Kanalisation und überlastet diese.
Das Schwammstadtprinzip verbindet beide Herausforderungen: Bei Regen nimmt die Stadt Wasser wie ein Schwamm auf und speichert es. In Trockenzeiten wird es langsam wieder abgegeben.
Grün und Blau statt Grau
«Das Konzept der Schwammstadt verfolgt das Ziel, einen natürlichen Wasserkreislauf im Siedlungsraum zu etablieren. Anstatt Regenwasser schnell abzuleiten, soll es vermehrt versickern und verdunsten», erklärt Thomas Stoiber, Sektionsleiter Klima und Mobilität beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich.
«Nach dem Prinzip ‹Grün und Blau statt Grau› werden Grün- und Wasserflächen anstelle versiegelter Flächen geschaffen. Begrünte Dächer, Fassaden und Pärke verbessern das Stadtklima und helfen, Trockenperioden zu überbrücken. Wie ein Schwamm soll die Stadt Wasser aufnehmen und später wieder abgeben.»
Das Schwammstadtprinzip mildert die Folgen des Klimawandels unter anderem durch städtebauliche Massnahmen und wirkt sich positiv auf die Bevölkerung und die Umwelt aus.
Ökologische Vorteile einer Schwammstadt:
- Besserer Umgang mit Hitze, Trockenheit und Starkregen
- Weniger Hitzeinseln
- Entlastung der Kanalisation
- Verbesserter Gewässerschutz
- Kühlere und lebenswerte Städte
- Förderung von Erholungsräumen
- Geringeres Überschwemmungsrisiko → schützt Infrastruktur und Bevölkerung
- Nutzung von Regenwasser statt Trinkwasser
- Kühlung durch Verdunstung von Wasserflächen, Bäumen und Pflanzen
- Angenehmes Mikroklima und höhere Aufenthaltsqualität
- Weniger hitzebedingte Erkrankungen und gesundheitliche Belastungen
Das Schwammstadtprinzip kann auch dazu beitragen, die Biodiversität zu fördern: Versickerungs- und Rückhaltebecken – wie Mulden oder künstliche Teiche – locken Amphibien, Libellen und wasserliebende Insekten an. Gleichzeitig bieten begrünte Dächer und Fassaden wichtigen Lebensraum, Nahrung und Nistplätze für Vögel, Wildbienen, Schmetterlinge und Käfer.
Stadt Zürich setzt auf Baumsubstrat 2.0
Ein zentrales Element der Schwammstadt sind auch Stadtbäume. Gemeinsam mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Partnern aus Forschung und Planung entwickelte Grün Stadt Zürich (GSZ) ein spezielles Baumsubstrat.
Dieses Baumsubstrat 2.0 wird unter Stadtbäumen eingesetzt und ist mehrschichtig aufgebaut: Grobe Steine bilden ein stabiles Gerüst mit grossen Hohlräumen, die mit einer Mischung aus Gesteinskörnern und kohlenstoffhaltigem Material wie Pflanzenkohle gefüllt werden. So entsteht ein unterirdischer Wasserspeicher, der Regenwasser zurückhält und den Wurzeln viel Platz bietet – sogar unter Trottoirs, Strassen und Parkplätzen. Das verbessert das Wachstum der Stadtbäume, und die Stadt wird widerstandsfähiger gegen Starkregen.
Erfunden in China, weltweit umgesetzt
Der chinesische Landschaftsarchitekt Kongjian Yu gilt als Erfinder des Konzepts. Er entwickelte die «Sponge City» bereits um das Jahr 2000 und gilt als Urheber des modernen Begriffs und der Schwammstadt als Stadtplanungsmodell. China kennt übrigens staatlich geförderte «Sponge-City-Programme» und gilt als Spitzenreiter.
Nachdem Kopenhagen 2011 ein verheerendes Jahrhunderthochwasser erleben musste, wurde in der dänischen Hauptstadt ebenfalls neu geplant: Der «Wolkenbruchplan» kombiniert überirdisches Grün mit unterirdischem Grau.
Singapur, Rotterdam und Berlin sind ebenfalls bekannte Beispiele – und die Schweiz treibt die Entwicklung ebenfalls voran, etwa in Winterthur, Bern, Zürich, Luzern, Basel oder Lausanne. Ein weiteres grosses Projekt ist der Glattpark in Opfikon, ein aktuelles Beispiel ist die Gestaltung der Schützenmattstrasse in Bülach nach dem Schwammstadtprinzip.
Selbst aktiv werden
Auch die Bevölkerung kann mit einfachen Massnahmen zum Schwammstadtprinzip beitragen:
- Dachwasser nutzen: Regenwasser in Regentonnen sammeln und den Garten damit bewässern.
- Versickerung ermöglichen: Dachwasser über Rohre oder Rinnen in Grünflächen leiten und dort versickern lassen.
- Flächen entsiegeln: Befestigte Wege oder Parkplätze mit sickerfähigen Materialien wie Rasengittersteinen oder wasserdurchlässigem Pflaster umgestalten.
- Dachbegrünung nachrüsten: Flachdächer, falls möglich, begrünen und damit sowohl Regenwasserrückhaltung als auch das Raumklima im Gebäude verbessern.