Der Reissverschluss am Lieblingspullover klemmt seit Wochen, das Smartphone-Display sieht aus wie ein Spinnennetz. Was jetzt? Neu kaufen geht schnell, reparieren klingt kompliziert und teuer. Doch genau hier setzt die Stadt Zürich nun an: Ab 2026 gibt es Geld für alle, die ihre Sachen reparieren lassen, statt wegzuwerfen. Bis zu 100 Franken pro Jahr und Person sind drin, maximal die Hälfte der Reparaturkosten. Der Stadtrat hat für das dreijährige Pilotprojekt 3,8 Millionen Franken bewilligt.
Ein Klick zur Reparatur
Die Sache läuft digital. Entsorgung + Recycling Zürich baut gerade eine Onlineplattform auf, auf der alle teilnehmenden Werkstätten der Stadt zu finden sind. Elektronikläden, Schneidereien, kleine Handwerksbetriebe. Wer etwas reparieren lassen will, registriert sich, sucht sich einen Betrieb aus und bekommt einen Gutschein. Den gibt man in der Werkstatt ab und zahlt nur noch den Rest. Die Plattform soll im Sommer 2026 laufen, gleichzeitig wird auch der Bonus starten.
Vorerst werden Elektrogeräte und Textilien gefördert. Fahrräder, Möbel oder Spielzeug sind noch nicht dabei. Aber das kann sich ändern, je nachdem, wie gut das Programm ankommt. Die Stadt hat ehrgeizige Ziele: 40’000 Reparaturen in drei Jahren, im Schnitt 75 Franken Zuschuss pro Fall. Das soll rund 960 Tonnen CO₂ einsparen. So viel entsteht nämlich, wenn Tausende neue Smartphones oder Jeans produziert werden müssen.
Während der Pilotphase sammelt die Stadt Daten. Welche Geräte kommen am häufigsten in die Werkstatt? Wie teuer sind die Reparaturen wirklich? Reicht das Geld? Aus den Antworten soll hervorgehen, ob der Bonus nach 2028 weiterläuft oder vielleicht sogar ausgebaut wird.
In der Westschweiz läufts schon
Zürich ist nicht die erste Stadt, die auf Reparaturförderung setzt. In der Westschweiz gibt es bereits mehrere Programme. Prilly bei Lausanne zahlt seit 2022 bis zu 50 Prozent für Reparaturen von Möbeln, Velos, Elektronik oder Kleidern. Je nach Kategorie sind bis zu 300 Franken drin. Vevey toppt das noch: Dort übernimmt die Stadt sogar 75 Prozent der Kosten, maximal 400 Franken pro Reparatur. Renens fördert gezielt kaputte Smartphones mit einem Pauschalbetrag von 50 Franken.
Genf und Lausanne gehen einen anderen Weg. Beide Städte haben Onlineverzeichnisse aufgebaut, in denen Reparaturbetriebe verlinkt sind. Eine Art digitale Vermittlungsstelle, aber ohne finanzielle Unterstützung. In der Deutschschweiz ist Zürich nun die erste grosse Stadt mit einem echten Geldbonus. Basel, Bern und Winterthur haben bislang nichts Vergleichbares.
Auf Bundesebene scheiterte 2023 ein Vorstoss für einen schweizweiten Reparaturbonus im Ständerat. Die Stiftung für Konsumentenschutz kämpft seither weiter. «In Österreich gibt es bereits einen staatlichen Reparaturbonus», schreibt die Stiftung. Dort wurden seit 2022 über 840’000 Reparaturen unterstützt, bis zu 50 Prozent der Kosten zahlt der Staat. «Auch Zürich hat das ökologische Potenzial erkannt», lobt die Stiftung und hofft, dass der Zürcher Pilot schweizweit Nachahmer findet.
Reparieren wird belohnt
Der Bonus ist Teil einer grösseren Klimastrategie. Zürich will bis 2040 netto null Treibhausgase erreichen. Indirekte Emissionen, also jene, die bei Produktion und Entsorgung von Konsumgütern entstehen, sollen um 30 Prozent sinken. Wer mehr repariert, kauft weniger neu. Gleichzeitig profitiert das lokale Gewerbe: Handyshops, Änderungsschneidereien, kleine Werkstätten bekommen mehr Aufträge.
Der Reparaturbonus ersetzt übrigens die bisherigen Gratis-Entsorgungscoupons, die 2024 gestrichen wurden. Mit denen konnten Haushalte jährlich bis zu 400 Kilogramm Sperrgut kostenlos loswerden. Die Botschaft ist klar: Reparieren wird belohnt, Entsorgen kostet.
Ob der Pilot aufgeht, zeigt sich ab 2026. Aber die Idee dahinter ist einfach: Dinge sollen länger halten. Und wer sie dazu bringt, bekommt jetzt Unterstützung.