Ein T-Shirt für fünf Franken – wie kann das funktionieren?
Dass Billigkleider und Fast Fashion weder ökologisch noch sozial oder moralisch besonders gut vertretbar sind, ist kein Geheimnis. Dennoch haftete fair, lokal und nachhaltig produzierter Mode lange Zeit ein ziemlich verstaubtes Image an: Zu teuer, zu langweilig, einfach nicht modern genug.
Doch gerade das Innovationsland Schweiz beweist seit einigen Jahren immer eindrucksvoller, dass sich die heimische Modeszene auch im internationalen Vergleich nicht verstecken muss, wenn es um trendige Styles, spannende Materialien und zukunftsweisende Trends geht.
Gerade auf dem Gebiet des bewussten Umgangs mit natürlichen Ressourcen beweisen lokale Designer*innen, Labels und Produzent*innen ihr besonderes Talent. Und die modebewusste Kundschaft weiss das zu schätzen. Für Qualität und einzigartiges Design zahlt sie gerne auch ein paar Franken mehr – mit dem guten Wissen und Gewissen, dass die neuen Lieblingsteile lange Freude bereiten werden und deren Produktion weder Mensch noch Natur ausgebeutet hat.
Warum sich ein immer bedeutenderer Teil der Schweizer Modeszene dazu entscheidet, ganz klar auf Slow Fashion zu setzen, weiss Michaela von Siebenthal, Geschäftsführerin des Stores «Laufmeter», der sich auf heimisches Modedesign spezialisiert und sich zum Ziel gesetzt hat, das Bewusstsein für regionales Modedesign national zu steigern.
Hallo Michaela, der Trend geht auch in der Mode immer mehr in Richtung lokaler, fairer Produktion. Stichworte: CO2-Fussabdruck, bewusster Lifestyle. Wie siehst du die aktuelle Entwicklung?
Michaela von Siebenthal: Ich begrüsse diesen Trend, erst recht, wenn es um regionale, nachhaltige Mode geht. Ich wünsche mir aber auch eine breitere Aufmerksamkeit für diese positiven Entwicklungen. Nach wie vor ignorieren grosse Teile der globalisierten Bekleidungs- und Modeindustrie ökologisch vertretbare Produktion und faire Arbeitsbedingungen zugunsten von schnellen Profiten.
Was bedeutet eigentlich Slow Fashion genau?
Slow Fashion ist die Gegenbewegung zu Fast Fashion. Sie steht für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, gerechte Entlöhnung und anständige Arbeitsbedingungen für die Menschen, die unsere Kleider herstellen. Es gibt hochwertige, fair und nachhaltig produzierte Mode auf Top-Niveau. Bewusster kaufen heisst auch: weniger billige Wegwerfmode von zweifelhafter Herkunft konsumieren.
Mit «Laufmeter» gebt ihr kleinen Modeschaffenden in der Schweiz eine Plattform. Warum ist das so wichtig?
In der Schweiz gibt es viele professionelle Labels, die tolle Mode und Accessoires von höchster Qualität erschaffen. Bei Laufmeter kennen wir all unsere Schweizer Designer*innen persönlich und unterstützen sie dabei, ihre Designs unter die Leute zu bringen. Einerseits tun wir das mit der Verkaufsplattform www.laufmeter.ch, die wir in den kommenden Wochen mit neuen Schweizer Labels weiter ausbauen werden, sowie unserer jährlichen «Modeschau uf dr Gass» in Bern und dem dazugehörigen Mode-Salon, bei dem die bei der Show gesehenen Kleider direkt zum Verkauf stehen. Wir bringen einheimische Mode aus den Ateliers auf die Strasse. Und das Publikum lässt sich für Mode von hier begeistern. Das ist toll!
Welche Kriterien müssen Labels erfüllen, um bei euch Platz zu finden?
Unsere Labels kommen alle aus der Schweiz. Bei der Auswahl achten wir auf gutes, professionelles Design, hochstehende Qualität sowie auf transparente Infos zu Materialien, Arbeits- und Produktionsbedingungen. Bei Laufmeter erfährt man, wer die Mode entwirft und wo und wie die Produkte hergestellt wurden.
Was sagst du zu dem Vorurteil, dass ressourcenschonende, faire Mode oft als langweilig oder unscheinbar – und dabei gleichzeitig viel zu teuer – betitelt wird?
Das trifft schon lange nicht mehr zu. Sehr viele Modedesigner*innen, die auf ökologische und soziale Verantwortung setzen, machen grossartige Mode. Das Preisniveau bei diesen Produkten relativiert sich sehr schnell, wenn man Design, Langlebigkeit, Qualität und transparente Herkunft in Betracht zieht.
Welche Essentials braucht eine richtig gute Capsule-Garderobe?
Dazu gehören meiner Meinung nach nur wenige schlichte Basics oder Klassiker, die man mit allem kombinieren kann. In unaufgeregten Farben und mit perfekten Schnitten. Die Qualität sollte möglichst hochwertig sein, da man diese Kleidungsstücke häufig trägt.
Gibt es aktuell Labels, die du persönlich besonders toll findest?
Ich liebe Kleider, die sich auf langen Reisen bewähren. Immer dabei habe ich ein cooles Oversize-Hoodie von Sabine Portenier aus Thun, ein luftiges Sommerkleid von Nom Commun aus Lausanne oder einen langen, leichten Regenmantel von Claudia Güdel aus Basel.
Zum Schluss noch: Was sind die wichtigsten Fashion-Trends für den Herbst/Winter 2023/24?
Bei unseren Schweizer Labels stehen diesen Herbst/Winter Stricksachen hoch im Kurs. Daneben gibt es auffällig viel Denim und Jeans in verschiedenen Variationen. Sabine Portenier wird in Kürze ihr neues Jeans-Label lancieren. Darauf können wir uns freuen. Vom Design bis zur Produktion entsteht alles in Thun.

