Bernhard Baumgartner, wer steht hinter Clean Greens und was macht das Unternehmen genau?
Wir sind ein Team von 25 leidenschaftlichen Menschen, die daran arbeiten, dass Produzenten von Blattgemüse das ganze Jahr über Salat und aromatische Kräuter in ihrem Gewächshaus anbauen können. Zu diesem Zweck haben wir ein erdloses aeroponisches System entwickelt, bei dem die Pflanzen ihre Wurzeln in der Luft haben und von unserem Bewässerungsroboter besprüht werden. Das System wird in Gewächshäusern von 2000 Quadratmetern und mehr installiert und Clean Greens Solutions SA deckt das gesamte Produktionssystem auf der Hardware- und Software-Seite ab.
Was war die grösste Herausforderung bei der Entwicklung?
Die grösste Herausforderung bestand darin, die beste Methode zu finden, um Wasser und Nährstoffe zu den Wurzeln zu bringen. Wir wussten bereits, dass Aeroponic die beste Technologie für den Anbau von Blattgemüse ist, aber erst der Einsatz eines mobilen Roboters ermöglichte uns eine sehr gleichmässige Bewässerung, sodass unsere Kunden ihre Pflanzen mit grosser Beständigkeit anbauen können.
Wofür eignet sich das Aeroponics-Verfahren – und wofür nicht?
Heute ist unser System für Blattgemüse optimiert, d. h. für alles von Kopfsalat über aromatische Kräuter bis hin zu Babyblättern. Die Technologie ermöglicht schnelle Produktionszyklen und eine ganzjährige Produktion, sodass wir preislich mit importierten Produkten konkurrieren können. Die aeroponische Technologie eignet sich auch für Erdbeeren oder Kartoffeln, aber das erfordert eine Umgestaltung unseres Systems. Wofür es nicht geeignet ist, sind alle Weinreben oder Getreide.
Warum bauen Sie horizontal und nicht vertikal an?
Durch die horizontale Ausrichtung können wir zusätzliche Beleuchtung einsparen, da das Licht der Sonne kostenlos ist. Ausserdem können wir so unser System nicht übertechnisieren, denn es muss kurzfristig mit der Feldproduktion konkurrenzfähig sein. Vertikaler Anbau hat Vorteile, aber nur in Nischenmärkten, in denen die Pflanzen sehr teuer sind, da sowohl die Anfangsinvestitionen als auch die laufenden Kosten sehr hoch sind.
Lässt es sich überall anwenden oder muss das Gewächshaus in heissen Ländern aufwendig klimatisiert werden?
Heutzutage sind alle Hightech-Gewächshäuser klimatisiert, sodass unsere Lösung in jedem Land funktionieren würde. Aktuell sind die Länder des Nahen Ostens ein wichtiger Markt für Gewächshäuser, da sie Regierungsprogramme zur Förderung der lokalen Lebensmittelproduktion haben. Salat und Kräuter werden nur an wenigen Orten das ganze Jahr über im Boden angebaut, sodass wir in diesen Regionen sehr stark vom Wetter abhängig sind. Für die europäischen Verbraucher sind die Dürreperioden in Spanien ein grosses Problem, da ein grosser Teil der Produktion aus nur wenigen Regionen stammt. Daher sehen wir auch einen Trend in den nördlichen Ländern, die es vermeiden wollen, dass frische Produkte innerhalb weniger Tage per LKW zu ihren Einzelhandelsgeschäften transportiert werden, sodass ganz West- und Nordeuropa auch ein Entwicklungsmarkt für uns ist.
Kommt unser Salat bald nicht mehr aus der Erde?
Das ist möglich, denn in den letzten Jahrzehnten ging die Produktion von Tomaten langsam vom Feld auf das Gewächshaus über. Heute werden die meisten Tomaten, die in Geschäften verkauft werden, im Gewächshaus angebaut, und das ist die neue Norm für die Verbraucher.
Sollten wir uns längerfristig alle selbst solch ein Gewächshaus bauen und zu Selbstversorgern werden?
Wir arbeiten mit grossen Produktionssystemen, die Hunderte von Tonnen Salat oder Kräuter pro Jahr produzieren. Privatpersonen empfehle ich immer, etwas im Garten oder auf dem Balkon anzubauen. Nichts geht über den Geschmack von etwas, das man selbst angebaut und gehegt und gepflegt hat.
Nachhaltigkeit und Effizienz sind wichtige Faktoren. Wie wird beides entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewährleistet?
In Europa müssen die meisten Gewächshäuser im Winter beheizt werden, sodass die Energiequelle ein wichtiger Faktor ist, um Pflanzen mit einem guten Kohlenstoffgehalt anzubauen. Das System, das wir in Frankreich installiert haben, nutzt die Wärme einer nahegelegenen Fabrik und übertrifft damit alle anderen Produktionsmethoden, da nur sehr wenig Energie verbraucht wird und die Lebensmittelmeilen im Vergleich zu den traditionellen Importen stark reduziert werden.
Weitere Informationen unter Cleangreens-aeroponics.com.
