Im Dezember herrscht im Basler Leihlager Hochbetrieb. «Vor allem Dinge für weihnachtliche Feste laufen extrem gut, wie Glühweintöpfe, Feuerschalen oder Racletteöfen», sagt Michael Flückiger, Leiter der Kommunikation. Eben alles, was man für gemütliche Abende braucht.
Doch nicht nur Fest-Equipment ist gefragt. Ein überraschender Bestseller ist der Waschsauger. «Die Baslerinnen und Basler lieben es offenbar, Sofas und Teppiche zu reinigen», schmunzelt Flückiger. «Wir mussten fünf Geräte anschaffen, die sind fast immer unterwegs.»
Warum Mieten nachhaltiger ist
Was auf den ersten Blick banal wirkt, hat grosse Wirkung: Viele dieser Dinge braucht man nur ein paar Stunden im Jahr. Sie verursachen aber jahrelang Ressourcenverbrauch, wenn man sie kauft, lagert und irgendwann entsorgt.
Wie viel Sharing wirklich bringen kann, zeigt ein Beispiel, das Flückiger gerne nennt: «Eine privat gekaufte Bohrmaschine wird laut einem Bundesratsbericht im ganzen Leben nur rund elf Minuten genutzt. Eine unserer ersten Leihlager-Bohrmaschinen dagegen wurde seit 2020 schon 135-mal ausgeliehen.»
Damit sei der normale Nutzungswert längst übertroffen. «Wenn jede Person nur knapp fünf Sekunden damit gebohrt hätte, wären diese elf Minuten schon überschritten. Daran sieht man gut, wie viel Material, Energie und Geld wir durch gemeinsames Nutzen sparen.»
Das lasse sich problemlos auf Weihnachtsgegenstände übertragen: Lichterketten oder Weihnachtsdeko, alles Dinge, die in vielen Haushalten monatelang im Keller stehen, obwohl man sie problemlos teilen könnte.
Wer nutzt das Angebot?
Und dieses Angebot, das sollen die unterschiedlichsten Menschen nutzen. Am häufigsten leihen Menschen zwischen 30 und 39 Jahren. «Wir vermuten, dass dies ein Lebensabschnitt ist, in dem man viele Projekte umsetzen möchte, aber noch nicht alles besitzt.»
Doch die Spannweite ist gross: «Unser jüngster Jahresabonnent ist 15, der älteste 81 Jahre alt», so Flückiger. Und die Gründe fürs Leihen seien ebenso vielfältig: «Manche wollen Geld sparen, andere handeln aus ökologischer Überzeugung und wieder andere möchten einfach Neues ausprobieren, ohne alles kaufen zu müssen.»
Sharing spart Platz und Geld
Ein weiterer Vorteil sei praktischer Natur. Viele Geräte seien teuer, sperrig oder beides. «Leihen gewinnt an Attraktivität, weil die Leute merken, dass sie Dinge nicht besitzen müssen, um sie zu nutzen», sagt Flückiger. Besonders in Städten sei Platz ein knappes Gut. «Wer im Keller keinen Racletteofen, keinen Teppichreiniger und keine Festbeleuchtung lagern muss, hat weniger Stress.»
Neben Nachhaltigkeit und Kosten beobachtet Flückiger noch etwas anderes: «Leihen schafft ein Gemeinschaftsgefühl. Beim Abholen und Zurückbringen trifft man sich zweimal, tauscht Erfahrungen aus, und das passiert beim Kaufen kaum.»
