18 Tonnen Microgreens pro Jahr: Urbanes Vertical Farming liefert gesundes Gemüse direkt aus Zürich. Foto: Getty Images, iStock
18 Tonnen Microgreens pro Jahr: Urbanes Vertical Farming liefert gesundes Gemüse direkt aus Zürich. Foto: Getty Images, iStock
Au quatrième étage d’un immeuble, des légumes poussent dans des rangées d’étagères sans aucune lumière du soleil. Photo: iStock, Getty Images
Zürich erfindet den Acker neu
Zürich erfindet den Acker neu
Zurich réinvente l’agriculture

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In Zürich-Altstetten wächst Gemüse nicht auf Feldern, sondern in vierstöckigen Regalreihen. Das Start-up Umami kombiniert Fischzucht und Vertical Farming und hat den Sprung in die Grossverteiler geschafft.
In Zürich-Altstetten wächst Gemüse nicht auf Feldern, sondern in vierstöckigen Regalreihen. Das Start-up Umami kombiniert Fischzucht und Vertical Farming und hat den Sprung in die Grossverteiler geschafft.
La start-up Umami ne fait pas pousser les légumes dans les champs, mais sur des étagères. En combinant pisciculture et agriculture verticale, elle se fait sa place dans la grande distribution.
Im 4. Stock eines Büroblocks in Zürich-Altstetten gedeiht ein ungewöhnliches Ökosystem. Wo man ein Grossraumbüro erwarten würde, wachsen Microgreens auf Hanfmatten, mit den Wurzeln direkt im Wasser. Die LED-Lampen an den Regalrahmen wechseln ihr Lichtspektrum je nach Sorte, mal mehr Rot, mal mehr Blau, je nachdem, welche Form und Farbe gewünscht ist. Erde braucht es keine, Sonnenlicht auch nicht.
Das Herzstück ist ein Aquaponik-Kreislauf: Das Wasser fliesst durch ein Ökosystem aus Fischen, Shrimps, Schnecken und Muscheln. Die Ausscheidungen der Tiere nähren die Kräuter und Keimlinge; diese reinigen im Gegenzug das Wasser, das anschliessend zurückfliesst.
Rund 250 Pflanzen- und 100 Tierarten bevölkern die gut 600 Quadratmeter grosse Anlage, davon rund 200 Quadratmeter gestapelte Anbaufläche. Co-Founder Robin Bertschinger sagte dem Fachmedium «Baublatt», es sei «noch nie» Antibiotika oder ein Pestizid nötig gewesen. Die Artenvielfalt des Systems übernehme diese Funktion selbst.
Vom Industriequartier auf den Teller
Jährlich fallen rund 18 Tonnen Microgreens an, die im E-Mini durch Zürich zu Restaurantküchen geliefert werden. Im Coop-Onlineshop sind die Greens als «Produktion Schweiz» gelistet, in grösseren Migros-Filialen sind sie ebenfalls erhältlich. Das Gemüse wächst morgens in Altstetten und liegt mittags auf dem Teller, ohne Importflug, ohne Saison, ohne Umweg.
Gründer Denis Weinberg bringt die Idee dahinter so auf den Punkt: «Immer mehr Kunden suchen nach lokalen, pestizidfreien Produkten, auf die sie sich das ganze Jahr verlassen können.» Diesem Anspruch will Umami künftig im grösseren Massstab gerecht werden: Nach einer Finanzierungsrunde über 4,3 Millionen Franken im Herbst 2024 plant das Unternehmen eine neue Farm in Zürich mit fünffacher Produktionskapazität, die laut Unternehmensangaben 90 Prozent weniger Wasser verbrauchen soll als herkömmliche Gewächshäuser.
Strom, Strommix, Zukunft
Vertical Farming ist systembedingt stromintensiv, Licht und Klima laufen rund um die Uhr. Was das für die Klimabilanz bedeutet, hängt stark vom Strommix ab. In der Schweiz, wo laut der Elektrizitätsstatistik 2024 des Bundesamts für Energie ein Grossteil des Stroms aus Wasser- und Kernkraft stammt, fällt diese Rechnung günstiger aus als andernorts. Das Konzept von Umami, urban, kreislauforientiert, ohne synthetische Dünger, steht für eine Richtung, in die Schweizer Agrarforschung und Start-up-Szene gleichermassen schauen. Wie weit sich dieser Ansatz skalieren lässt, wird die neue Anlage zeigen.
Im 4. Stock eines Büroblocks in Zürich-Altstetten gedeiht ein ungewöhnliches Ökosystem. Wo man ein Grossraumbüro erwarten würde, wachsen Microgreens auf Hanfmatten, mit den Wurzeln direkt im Wasser. Die LED-Lampen an den Regalrahmen wechseln ihr Lichtspektrum je nach Sorte, mal mehr Rot, mal mehr Blau, je nachdem, welche Form und Farbe gewünscht ist. Erde braucht es keine, Sonnenlicht auch nicht.
Das Herzstück ist ein Aquaponik-Kreislauf: Das Wasser fliesst durch ein Ökosystem aus Fischen, Shrimps, Schnecken und Muscheln. Die Ausscheidungen der Tiere nähren die Kräuter und Keimlinge; diese reinigen im Gegenzug das Wasser, das anschliessend zurückfliesst.
Rund 250 Pflanzen- und 100 Tierarten bevölkern die gut 600 Quadratmeter grosse Anlage, davon rund 200 Quadratmeter gestapelte Anbaufläche. Co-Founder Robin Bertschinger sagte dem Fachmedium «Baublatt», es sei «noch nie» Antibiotika oder ein Pestizid nötig gewesen. Die Artenvielfalt des Systems übernehme diese Funktion selbst.
Vom Industriequartier auf den Teller
Jährlich fallen rund 18 Tonnen Microgreens an, die im E-Mini durch Zürich zu Restaurantküchen geliefert werden. Im Coop-Onlineshop sind die Greens als «Produktion Schweiz» gelistet, in grösseren Migros-Filialen sind sie ebenfalls erhältlich. Das Gemüse wächst morgens in Altstetten und liegt mittags auf dem Teller, ohne Importflug, ohne Saison, ohne Umweg.
Gründer Denis Weinberg bringt die Idee dahinter so auf den Punkt: «Immer mehr Kunden suchen nach lokalen, pestizidfreien Produkten, auf die sie sich das ganze Jahr verlassen können.» Diesem Anspruch will Umami künftig im grösseren Massstab gerecht werden: Nach einer Finanzierungsrunde über 4,3 Millionen Franken im Herbst 2024 plant das Unternehmen eine neue Farm in Zürich mit fünffacher Produktionskapazität, die laut Unternehmensangaben 90 Prozent weniger Wasser verbrauchen soll als herkömmliche Gewächshäuser.
Strom, Strommix, Zukunft
Vertical Farming ist systembedingt stromintensiv, Licht und Klima laufen rund um die Uhr. Was das für die Klimabilanz bedeutet, hängt stark vom Strommix ab. In der Schweiz, wo laut der Elektrizitätsstatistik 2024 des Bundesamts für Energie ein Grossteil des Stroms aus Wasser- und Kernkraft stammt, fällt diese Rechnung günstiger aus als andernorts. Das Konzept von Umami, urban, kreislauforientiert, ohne synthetische Dünger, steht für eine Richtung, in die Schweizer Agrarforschung und Start-up-Szene gleichermassen schauen. Wie weit sich dieser Ansatz skalieren lässt, wird die neue Anlage zeigen.
Au 4e étage d’un immeuble de bureaux à Zurich, un écosystème inhabituel s’épanouit. Là où l’on s’attendrait à trouver un open space, des jeunes pousses de légumes, aussi appelées microgreens, grandissent sur des tapis de chanvre, les racines plongées directement dans l’eau. Fixées aux étagères, des lampes LED adaptent leur spectre lumineux selon les variétés cultivées: plutôt rouge ou plutôt bleu, en fonction de la forme et de la couleur recherchées. Pas besoin de terre ni de lumière du soleil.
La pièce maîtresse est un système d’aquaponie: l’eau circule à travers un écosystème rempli de poissons, de crevettes, d’escargots et de coquillages. Les déjections des animaux nourrissent les herbes et les germes qui, en retour, purifient l’eau avant qu’elle ne retourne dans le circuit.
Environ 250 espèces végétales et 100 espèces animales peuplent cette installation d’un peu plus de 600 mètres carrés, dont quelque 200 mètres carrés de systèmes de culture verticale. Robin Bertschinger, cofondateur de l’entreprise, a déclaré au média spécialisé «Baublatt» qu’il n’avait «encore jamais» fallu recourir à des antibiotiques ou des pesticides. La biodiversité du système assume elle-même cette fonction.
Du quartier industriel à l’assiette
Chaque année, environ 18 tonnes de microgreens sont livrées aux cuisines des restaurants zurichois, acheminées en Mini électrique. Dans la boutique en ligne de Coop, ces produits sont répertoriés comme «Production Suisse». On les trouve également dans les grands magasins Migros. Ces légumes poussent le matin dans le quartier industriel de Zurich-Altstetten et se retrouvent à midi dans l’assiette, sans vol d’importation, sans contrainte saisonnière et sans détour.
Denis Weinberg, fondateur d’Umami, résume ainsi l’idée sous-jacente au projet: «De plus en plus de clients recherchent des produits locaux, sans pesticides, sur lesquels ils peuvent compter toute l’année». À l’avenir, l’entreprise veut répondre à cette demande à plus grande échelle: après avoir levé 4,3 millions de francs à l’automne 2024, l’entreprise prévoit de construire une nouvelle ferme à Zurich. Celle-ci quintuplera la capacité de production et devrait consommer 90% d’eau en moins que les serres traditionnelles, selon le fondateur.
Un test pour l’avenir de l’agriculture urbaine
De par son système, l’agriculture verticale consomme beaucoup d’électricité: éclairage et climatisation fonctionnent en continu. L’impact sur le bilan climatique dépend fortement du mix électrique utilisé. En Suisse, le bilan est plus favorable qu’ailleurs, puisque l’électricité provient majoritairement de l’hydraulique et du nucléaire, selon la statistique de l’électricité 2024 de l’Office fédéral de l’énergie. Le concept d’Umami – urbain, circulaire, sans engrais de synthèse – s’inscrit dans une tendance que suivent de près la recherche agricole suisse et les start-up du secteur. La nouvelle installation permettra de mesurer le potentiel de mise à l’échelle de cette approche.