Im Kreis 5 in Zürich zeigt das Projekt Josy, wie Secondhand ohne Verkauf und ohne Auto funktionieren kann. Getauscht werden Alltagsgegenstände nach einfachem Holen-und-bringen-Prinzip. Ein praktisches Modell gegen Wegwerfmentalität und für urbane Kreislaufwirtschaft.
In der ganzen Schweiz entstehen Initiativen rund um gebrauchte Möbel, Gewächse, Bücher oder Haushaltsobjekte: vom Pflanzenbrocki in Basel bis hin zum digitalen Secondhand-Ikea-Marktplatz. Sie machen sichtbar, dass Wiederverwenden weit über Mode hinausgeht und zeigen neue Formen des nachhaltigen Konsums.
Leben im Überfluss
Mehrere Milliarden Tonnen an Ware landen jährlich im Abfall. Ein Grossteil davon ist nicht kaputt, sondern nur aus dem Konsumkreislauf herausgefallen. Kleider, aber auch Möbel, Haushaltsgegenstände, Elektrogeräte, Bücher, Geschirr, Spielzeug – fast jede Warenkategorie existiert im Überfluss und müsste rein theoretisch nicht neu gekauft werden.
Über Kleidung wird diese Diskussion längst geführt. In den letzten Jahren gewann sie gar erneuten Aufschwung aufgrund des gigantischen Wachstums von Billig-Onlinehändlern wie Temu, Shein und Co. Doch der Konsum im Überfluss betrifft längst auch andere Bereiche unseres Lebens. Brockenhäuser, Secondhand-Läden, Repair-Cafés und Tauschbörsen setzen da an: Sie fangen Dinge ab, bevor sie offiziell zu Abfall werden. Und eben nicht nur Kleidung.
Kreislaufwirtschaft, neu gedacht
In der Stadt Zürich zeigt das Josy, wie Kreislaufwirtschaft neu gedacht wird. Gut erhaltene Alltagsgegenstände können gratis weitergegeben oder mitgenommen werden. Weil das Josy autofrei ist, sind die Gegenstände bewusst handlich und können zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem ÖV gebracht und abgeholt werden.
Das Angebot endet aber nicht bei der Tauschbörse: Im RepairHub dreht sich alles um die Reparatur gebrauchter Gegenstände, inklusive Workshops, um selbst Hand anzulegen. In Zusammenarbeit mit Swico steht im Josy ein ReUse-Container für gebrauchte Handys, Laptops und Tablets. Diese werden danach entweder fachgerecht entsorgt oder zur Wiederverwendung aufbereitet. Workshops zum kreativen Weiterverwenden, ein mobiler Recyclinghof oder die Kleiderschrank-Erweiterung «Shircle» zum Ausleihen, Verkaufen oder Kaufen von Kleidern: All das verleiht der Kreislaufwirtschaft neuen Schwung und zeigt, wie selbstverständlich Nachhaltigkeit im Alltag verankert sein kann.
Tauschen und Wiederverwenden als nachhaltiger Lifestyle
Das Josy in Zürich ist nur ein Beispiel, wie das Wiederverwenden zum Lifestyle wird, der sowohl der Umwelt als auch dem persönlichen Budget zugutekommt. In der ganzen Schweiz entstehen Projekte, die dieses Prinzip auf immer mehr Lebensbereiche ausdehnen. Pflanzen, Möbel, Bücher oder Alltagsgegenstände finden neue Wege der Weitergabe, die lokal und oft gemeinschaftlich organisiert sind.
In Basel etwa hat sich mit dem Pflanzenbroggi ein Ort etabliert, an dem Zimmerpflanzen und Setzlinge weiterverkauft werden, statt im Abfall zu landen.
In vielen Städten und Dörfern gehören Bücherbrockis längst zur kulturellen Infrastruktur. Orte, an denen nicht nur gebrauchte Ware, sondern auch Wissen zirkuliert, statt in Kellern oder Mulden zu verschwinden.
Auf (inter)nationaler Ebene experimentiert sogar der schwedische Möbelriese mit Kreislaufmodellen: Mit der Secondhand-Börse von Ikea können Kundinnen und Kunden gebrauchte Möbel zurück in den Umlauf bringen und zu guten Konditionen kaufen.
In und ausserhalb der Schweiz entsteht ein dichtes Netz von Orten und Plattformen, an denen Dinge im Kreislauf bleiben, anstatt entsorgt zu werden – ein Zeichen dafür, dass Nachhaltigkeit ganz selbstverständlich Teil des Alltags wird.