Brockenhäuser sorgen dafür, dass Produkte möglichst lange im Umlauf bleiben, statt schnell ersetzt zu werden. Dies schont Ressourcen und reduziert den Energieverbrauch für die Herstellung neuer Waren. Doch was gilt es zu beachten, wenn man Kleidung, Gegenstände und Möbel ins Brocki bringt? Und was passiert mit Artikeln, die nicht verkauft werden? Wir haben Jenja Roman Doerig, den Verkaufsleiter des Zürcher Brockenhauses im Kreis 5, gefragt.
Wie hat sich das Interesse an Secondhand-Produkten Ihrer Erfahrung nach in den letzten Jahren entwickelt?
Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Ich arbeite seit elf Jahren hier, und im Vergleich zu damals kaufen heute auch deutlich mehr junge Menschen bei uns ein. Die Covid-Pandemie hat dem Trend zusätzlichen Auftrieb gegeben. Im Lockdown wurde wohl vielen bewusst, dass sie langfristig nicht auf ihren Ikea-Sofas sitzen möchten. Das Interesse an qualitativ hochwertigen Secondhand-Möbeln nahm spürbar zu. Besonders im ersten Pandemiejahr waren bei uns Sitzmöbel sehr begehrt.
Und was ist derzeit besonders gefragt?
Das ist stark saisonabhängig. Vor dem Sommer sind Gartenmöbel und -geräte beliebt, ebenso unser Kräutermarkt. In den kälteren Monaten hingegen verkaufen sich Lampen besonders gut, und in der Vorweihnachtszeit alles, was glänzt. Zudem führen wir eine sogenannte Strandgutecke für Artikel mit kleinen Mängeln, die zu günstigen Preisen angeboten werden. Aufgrund der hohen Nachfrage bauen wir diesen Bereich weiter aus.
Welche saisonalen Schwankungen beobachten Sie bei der Menge der abgegebenen und verkauften Artikel?
Man spürt immer, wenn die Zürcherinnen und Zürcher Zeit zum Entrümpeln hatten. Nach Feiertagen erhalten wir jeweils besonders viele Warenspenden. Früher merkten wir auch die klassischen Zügeltage, doch heute wird in Zürich ja praktisch das ganze Jahr über gezügelt.
Worauf ist zu achten, wenn man Kleidung oder Gegenstände ins Brockenhaus bringt?
Am besten fragt man sich ehrlich und mit etwas Abstand, ob man den Artikel selbst noch kaufen würde. Kleidung sollte keine Löcher haben und nicht muffig riechen. Generell gilt, dass die Ware sauber und geruchsfrei sein muss. Ein Sofa aus einem Raucherhaushalt nehmen wir beispielsweise nicht an, da es sich aufgrund des Geruchs kaum verkaufen lässt.
Wie gehen Sie mit beschädigten oder unvollständigen Artikeln um?
Wir verfügen über eigene Werkstätten im Haus. Ein Schreiner prüft Möbelstücke und führt bei Bedarf Reparaturen durch, während eine Polsterin Stühle neu bezieht. Für gut erhaltene Kleidung, die etwa muffig riecht, steht eine Waschmaschine bereit. Unser Ziel ist es, möglichst viel wieder verkaufsfähig zu machen.
Gibt es etwas, das Sie grundsätzlich nicht annehmen? Falls ja, warum?
Nein, solange ein Artikel in gutem Zustand ist und legal verkauft werden kann, nehmen wir ihn grundsätzlich an. Bei Elektrogeräten sind wir jedoch zurückhaltender geworden. Die Qualität vieler Geräte hat in den letzten Jahren abgenommen, und wir können – obwohl wir alles testen – nicht garantieren, wie lange sie noch funktionieren.
Wie legen Sie die Preise fest?
Unsere langjährigen Mitarbeitenden setzen bei der Preisgestaltung auf Erfahrungswerte. Bei Kleidung liegt der Preis in der Regel deutlich unter dem ursprünglichen Marktwert. Bei Möbeln spielen vor allem die Qualität der Materialien und die Verarbeitung eine Rolle. Wenn ein Stück bei uns repariert oder aufgewertet wurde, fliesst dieser Aufwand ebenfalls in die Preisgestaltung ein.
Kommt es vor, dass Artikel lange im Laden bleiben? Was passiert dann?
Das kommt selten vor, da wir uns aufgrund der grossen Verkaufsfläche erlauben können, einen langen Atem zu haben. Sollte es doch mal Artikel geben, die nicht verkauft werden, entsorgen und rezyklieren wir diese fachgerecht.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?
Den gibt es so nicht. Das Sortiment verändert sich laufend, und man lernt ständig dazu. Ich leite ein Team von 15 festangestellten Mitarbeitenden, betreue das Onlinegeschäft und arbeite eng mit Kundinnen und Kunden zusammen, um Restaurants, Büros oder Geschäfte mit Brocki-Möbeln und -Dekoration einzurichten. So gehe ich nie mit leerem Kopf nach Hause.
Was motiviert Sie?
Das Brocki ist nicht nur ein Laden, sondern schafft auch Raum für Begegnungen. Menschen aus komplett unterschiedlichen Lebenswelten kommen hier ins Gespräch. Zudem erfüllt es mich mit Stolz, für eine soziale Institution zu arbeiten. Mit unseren Einnahmen unterstützen wir Projekte wie ein neues Fahrzeug für Tixi Taxi oder Musikunterricht für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Warenspenden sind somit immer auch eine indirekte Spende an die Gesellschaft.