Für Jenja Roman Doerig, Verkaufsleiter des Zürcher Brockenhauses im Kreis 5, ist das Brocki mehr als ein Laden. Foto: Nikkol Rot
Für Jenja Roman Doerig, Verkaufsleiter des Zürcher Brockenhauses im Kreis 5, ist das Brocki mehr als ein Laden. Foto: Nikkol Rot
Pour Jenja Roman Doerig, les magasins de seconde main sont plus qu’un simple magasin. Photo: Nikkol Rot
«Die Nachfrage nach Secondhand-Produkten ist gestiegen»
«Die Nachfrage nach Secondhand-Produkten ist gestiegen»
«La demande de produits de seconde main a augmenté»

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Kreislaufwirtschaft in der Praxis: In Brockenhäusern erhalten jeden Tag Hunderte Produkte ein zweites Leben. Der Verkaufsleiter des ältesten Stadtzürcher Brockis gewährt Einblick in den Alltag.
Kreislaufwirtschaft in der Praxis: In Brockenhäusern erhalten jeden Tag Hunderte Produkte ein zweites Leben. Der Verkaufsleiter des ältesten Stadtzürcher Brockis gewährt Einblick in den Alltag.
Jenja Roman Doerig dirige les ventes d’un magasin d’occasion du Kreis 5 à Zurich depuis onze ans. Il raconte comment le Covid a transformé les habitudes et pourquoi un canapé de fumeur n’a aucune chance d’être revendu.
Brockenhäuser sorgen dafür, dass Produkte möglichst lange im Umlauf bleiben, statt schnell ersetzt zu werden. Dies schont Ressourcen und reduziert den Energieverbrauch für die Herstellung neuer Waren. Doch was gilt es zu beachten, wenn man Kleidung, Gegenstände und Möbel ins Brocki bringt? Und was passiert mit Artikeln, die nicht verkauft werden? Wir haben Jenja Roman Doerig, den Verkaufsleiter des Zürcher Brockenhauses im Kreis 5, gefragt.
Wie hat sich das Interesse an Secondhand-Produkten Ihrer Erfahrung nach in den letzten Jahren entwickelt?
Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Ich arbeite seit elf Jahren hier, und im Vergleich zu damals kaufen heute auch deutlich mehr junge Menschen bei uns ein. Die Covid-Pandemie hat dem Trend zusätzlichen Auftrieb gegeben. Im Lockdown wurde wohl vielen bewusst, dass sie langfristig nicht auf ihren Ikea-Sofas sitzen möchten. Das Interesse an qualitativ hochwertigen Secondhand-Möbeln nahm spürbar zu. Besonders im ersten Pandemiejahr waren bei uns Sitzmöbel sehr begehrt.
Und was ist derzeit besonders gefragt?
Das ist stark saisonabhängig. Vor dem Sommer sind Gartenmöbel und -geräte beliebt, ebenso unser Kräutermarkt. In den kälteren Monaten hingegen verkaufen sich Lampen besonders gut, und in der Vorweihnachtszeit alles, was glänzt. Zudem führen wir eine sogenannte Strandgutecke für Artikel mit kleinen Mängeln, die zu günstigen Preisen angeboten werden. Aufgrund der hohen Nachfrage bauen wir diesen Bereich weiter aus.
Welche saisonalen Schwankungen beobachten Sie bei der Menge der abgegebenen und verkauften Artikel?
Man spürt immer, wenn die Zürcherinnen und Zürcher Zeit zum Entrümpeln hatten. Nach Feiertagen erhalten wir jeweils besonders viele Warenspenden. Früher merkten wir auch die klassischen Zügeltage, doch heute wird in Zürich ja praktisch das ganze Jahr über gezügelt.
Worauf ist zu achten, wenn man Kleidung oder Gegenstände ins Brockenhaus bringt?
Am besten fragt man sich ehrlich und mit etwas Abstand, ob man den Artikel selbst noch kaufen würde. Kleidung sollte keine Löcher haben und nicht muffig riechen. Generell gilt, dass die Ware sauber und geruchsfrei sein muss. Ein Sofa aus einem Raucherhaushalt nehmen wir beispielsweise nicht an, da es sich aufgrund des Geruchs kaum verkaufen lässt.
Wie gehen Sie mit beschädigten oder unvollständigen Artikeln um?
Wir verfügen über eigene Werkstätten im Haus. Ein Schreiner prüft Möbelstücke und führt bei Bedarf Reparaturen durch, während eine Polsterin Stühle neu bezieht. Für gut erhaltene Kleidung, die etwa muffig riecht, steht eine Waschmaschine bereit. Unser Ziel ist es, möglichst viel wieder verkaufsfähig zu machen.
Gibt es etwas, das Sie grundsätzlich nicht annehmen? Falls ja, warum?
Nein, solange ein Artikel in gutem Zustand ist und legal verkauft werden kann, nehmen wir ihn grundsätzlich an. Bei Elektrogeräten sind wir jedoch zurückhaltender geworden. Die Qualität vieler Geräte hat in den letzten Jahren abgenommen, und wir können – obwohl wir alles testen – nicht garantieren, wie lange sie noch funktionieren.
Wie legen Sie die Preise fest?
Unsere langjährigen Mitarbeitenden setzen bei der Preisgestaltung auf Erfahrungswerte. Bei Kleidung liegt der Preis in der Regel deutlich unter dem ursprünglichen Marktwert. Bei Möbeln spielen vor allem die Qualität der Materialien und die Verarbeitung eine Rolle. Wenn ein Stück bei uns repariert oder aufgewertet wurde, fliesst dieser Aufwand ebenfalls in die Preisgestaltung ein.
Kommt es vor, dass Artikel lange im Laden bleiben? Was passiert dann?
Das kommt selten vor, da wir uns aufgrund der grossen Verkaufsfläche erlauben können, einen langen Atem zu haben. Sollte es doch mal Artikel geben, die nicht verkauft werden, entsorgen und rezyklieren wir diese fachgerecht.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?
Den gibt es so nicht. Das Sortiment verändert sich laufend, und man lernt ständig dazu. Ich leite ein Team von 15 festangestellten Mitarbeitenden, betreue das Onlinegeschäft und arbeite eng mit Kundinnen und Kunden zusammen, um Restaurants, Büros oder Geschäfte mit Brocki-Möbeln und -Dekoration einzurichten. So gehe ich nie mit leerem Kopf nach Hause.
Was motiviert Sie?
Das Brocki ist nicht nur ein Laden, sondern schafft auch Raum für Begegnungen. Menschen aus komplett unterschiedlichen Lebenswelten kommen hier ins Gespräch. Zudem erfüllt es mich mit Stolz, für eine soziale Institution zu arbeiten. Mit unseren Einnahmen unterstützen wir Projekte wie ein neues Fahrzeug für Tixi Taxi oder Musikunterricht für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Warenspenden sind somit immer auch eine indirekte Spende an die Gesellschaft.
Brockenhäuser sorgen dafür, dass Produkte möglichst lange im Umlauf bleiben, statt schnell ersetzt zu werden. Dies schont Ressourcen und reduziert den Energieverbrauch für die Herstellung neuer Waren. Doch was gilt es zu beachten, wenn man Kleidung, Gegenstände und Möbel ins Brocki bringt? Und was passiert mit Artikeln, die nicht verkauft werden? Wir haben Jenja Roman Doerig, den Verkaufsleiter des Zürcher Brockenhauses im Kreis 5, gefragt.
Wie hat sich das Interesse an Secondhand-Produkten Ihrer Erfahrung nach in den letzten Jahren entwickelt?
Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Ich arbeite seit elf Jahren hier, und im Vergleich zu damals kaufen heute auch deutlich mehr junge Menschen bei uns ein. Die Covid-Pandemie hat dem Trend zusätzlichen Auftrieb gegeben. Im Lockdown wurde wohl vielen bewusst, dass sie langfristig nicht auf ihren Ikea-Sofas sitzen möchten. Das Interesse an qualitativ hochwertigen Secondhand-Möbeln nahm spürbar zu. Besonders im ersten Pandemiejahr waren bei uns Sitzmöbel sehr begehrt.
Und was ist derzeit besonders gefragt?
Das ist stark saisonabhängig. Vor dem Sommer sind Gartenmöbel und -geräte beliebt, ebenso unser Kräutermarkt. In den kälteren Monaten hingegen verkaufen sich Lampen besonders gut, und in der Vorweihnachtszeit alles, was glänzt. Zudem führen wir eine sogenannte Strandgutecke für Artikel mit kleinen Mängeln, die zu günstigen Preisen angeboten werden. Aufgrund der hohen Nachfrage bauen wir diesen Bereich weiter aus.
Welche saisonalen Schwankungen beobachten Sie bei der Menge der abgegebenen und verkauften Artikel?
Man spürt immer, wenn die Zürcherinnen und Zürcher Zeit zum Entrümpeln hatten. Nach Feiertagen erhalten wir jeweils besonders viele Warenspenden. Früher merkten wir auch die klassischen Zügeltage, doch heute wird in Zürich ja praktisch das ganze Jahr über gezügelt.
Worauf ist zu achten, wenn man Kleidung oder Gegenstände ins Brockenhaus bringt?
Am besten fragt man sich ehrlich und mit etwas Abstand, ob man den Artikel selbst noch kaufen würde. Kleidung sollte keine Löcher haben und nicht muffig riechen. Generell gilt, dass die Ware sauber und geruchsfrei sein muss. Ein Sofa aus einem Raucherhaushalt nehmen wir beispielsweise nicht an, da es sich aufgrund des Geruchs kaum verkaufen lässt.
Wie gehen Sie mit beschädigten oder unvollständigen Artikeln um?
Wir verfügen über eigene Werkstätten im Haus. Ein Schreiner prüft Möbelstücke und führt bei Bedarf Reparaturen durch, während eine Polsterin Stühle neu bezieht. Für gut erhaltene Kleidung, die etwa muffig riecht, steht eine Waschmaschine bereit. Unser Ziel ist es, möglichst viel wieder verkaufsfähig zu machen.
Gibt es etwas, das Sie grundsätzlich nicht annehmen? Falls ja, warum?
Nein, solange ein Artikel in gutem Zustand ist und legal verkauft werden kann, nehmen wir ihn grundsätzlich an. Bei Elektrogeräten sind wir jedoch zurückhaltender geworden. Die Qualität vieler Geräte hat in den letzten Jahren abgenommen, und wir können – obwohl wir alles testen – nicht garantieren, wie lange sie noch funktionieren.
Wie legen Sie die Preise fest?
Unsere langjährigen Mitarbeitenden setzen bei der Preisgestaltung auf Erfahrungswerte. Bei Kleidung liegt der Preis in der Regel deutlich unter dem ursprünglichen Marktwert. Bei Möbeln spielen vor allem die Qualität der Materialien und die Verarbeitung eine Rolle. Wenn ein Stück bei uns repariert oder aufgewertet wurde, fliesst dieser Aufwand ebenfalls in die Preisgestaltung ein.
Kommt es vor, dass Artikel lange im Laden bleiben? Was passiert dann?
Das kommt selten vor, da wir uns aufgrund der grossen Verkaufsfläche erlauben können, einen langen Atem zu haben. Sollte es doch mal Artikel geben, die nicht verkauft werden, entsorgen und rezyklieren wir diese fachgerecht.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?
Den gibt es so nicht. Das Sortiment verändert sich laufend, und man lernt ständig dazu. Ich leite ein Team von 15 festangestellten Mitarbeitenden, betreue das Onlinegeschäft und arbeite eng mit Kundinnen und Kunden zusammen, um Restaurants, Büros oder Geschäfte mit Brocki-Möbeln und -Dekoration einzurichten. So gehe ich nie mit leerem Kopf nach Hause.
Was motiviert Sie?
Das Brocki ist nicht nur ein Laden, sondern schafft auch Raum für Begegnungen. Menschen aus komplett unterschiedlichen Lebenswelten kommen hier ins Gespräch. Zudem erfüllt es mich mit Stolz, für eine soziale Institution zu arbeiten. Mit unseren Einnahmen unterstützen wir Projekte wie ein neues Fahrzeug für Tixi Taxi oder Musikunterricht für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Warenspenden sind somit immer auch eine indirekte Spende an die Gesellschaft.
Les magasins de seconde main visent à prolonger la durée de vie des produits plutôt que de les remplacer rapidement. Un système qui préserve les ressources et réduit l’énergie nécessaire à la fabrication de nouveaux biens. Mais que faut-il savoir avant d’apporter vêtements, objets et meubles dans un tel magasin? Et que deviennent les articles invendus? Nous avons interrogé Jenja Roman Doerig, responsable des ventes dans un magasin de seconde main situé dans le Kreis 5 à Zurich.
D’après votre expérience, comment l’intérêt pour les produits de seconde main a-t-il évolué ces dernières années?
La demande ne cesse d’augmenter. Je travaille ici depuis onze ans et les jeunes sont aujourd’hui bien plus nombreux qu’avant à faire leurs achats chez nous. La pandémie a renforcé cette tendance. Pendant le confinement, beaucoup ont sans doute compris qu’ils ne voulaient pas rester indéfiniment assis sur leurs canapés Ikea. L’intérêt pour les meubles d’occasion de qualité a nettement progressé. Les canapés et les fauteuils ont été particulièrement recherchés chez nous, surtout durant la première année de la pandémie.
Et qu’est-ce qui est particulièrement demandé actuellement?
Cela dépend fortement de la saison. Avant l’été, les meubles et les outils de jardin sont très prisés, tout comme notre marché aux herbes aromatiques. En revanche, les lampes se vendent particulièrement bien pendant les mois les plus froids, et tout ce qui brille à l’approche de Noël. Nous disposons par ailleurs d’un espace pour les articles présentant de petits défauts, proposés à prix avantageux. Face à la forte demande, nous continuons à développer ce secteur.
Quelles sont les variations saisonnières que vous observez dans la quantité d’articles déposés et vendus?
On sent toujours quand les Zurichoises et les Zurichois ont eu le temps de faire du tri. Après les fêtes, nous recevons systématiquement beaucoup de dons de marchandises. Autrefois, nous remarquions aussi un pic lors des jours de déménagement classiques, mais aujourd’hui, à Zurich, on déménage pratiquement toute l’année.
Que faut-il savoir avant d’apporter des vêtements ou des objets dans votre magasin?
Le mieux est de se demander honnêtement si l’on achèterait encore l’article soi-même. Les vêtements ne doivent être ni troués ni sentir le moisi. En règle générale, les articles doivent être propres et sans odeur. Par exemple, nous n’acceptons pas un canapé provenant d’un foyer fumeur, car son odeur le rend difficile à vendre.
Comment traitez-vous les articles endommagés ou incomplets?
L’entreprise dispose de ses propres ateliers. Un menuisier vérifie les meubles et effectue les réparations nécessaires, tandis qu’une tapissière refait les chaises. Les vêtements en bon état qui sentent le renfermé passent à la machine à laver. L’objectif: remettre un maximum d’objets sur le marché.
Y a-t-il des choses que vous n’acceptez pas par principe? Si oui, pourquoi?
Non, nous acceptons en principe tout article en bon état qui peut être vendu légalement. Nous sommes toutefois devenus plus prudents avec les appareils électriques. La qualité de nombreux appareils s’est détériorée ces dernières années et nous ne pouvons pas garantir leur durée de fonctionnement, même si nous les testons tous.
Comment fixez-vous les prix?
Nos collaborateurs de longue date fixent les prix en se basant sur leur expérience. Pour les vêtements, le prix reste généralement bien en dessous de la valeur d’achat initiale. Pour les meubles, la qualité des matériaux et la finition sont déterminantes. Lorsqu’une pièce a été réparée ou revalorisée dans nos ateliers, ce travail est pris en compte dans le prix final.
Arrive-t-il que des articles restent longtemps en magasin? Que deviennent-ils alors?
C’est rare, car notre grande surface de vente nous permet d’écouler facilement nos stocks. Si certains articles ne trouvent pas preneur, nous les éliminons et les recyclons dans les règles de l’art.
À quoi ressemble une journée de travail typique pour vous?
Elle n’existe pas vraiment en tant que telle. L’assortiment évolue constamment et on apprend toujours. Je dirige une équipe de quinze employés permanents, je m’occupe de la boutique en ligne et je collabore étroitement avec les clients pour aménager des restaurants, des bureaux ou des magasins avec des meubles et de la décoration de seconde main. Du coup, je ne rentre jamais chez moi la tête vide.
Qu’est-ce qui vous motive?
Le magasin de seconde main n’est pas qu’un simple magasin: c’est aussi un lieu de rencontre où des personnes d’horizons très différents viennent échanger. Par ailleurs, travailler pour une institution sociale me remplit de fierté. Grâce à nos recettes, nous soutenons des projets comme l’achat d’un nouveau véhicule pour Tixi Taxi ou le financement de cours de musique pour des enfants de familles modestes. Ainsi, chaque don de marchandise devient un don indirect à la collectivité.